Gestaltung Dezember – Papierurne Erstheit

„Wie gewachsen – bewegt, naturhaft sollte die Stele sein, wie verwoben aus den Tiefen des Winters, zwischen den Zeiten, zwischen den Welten.“ 

Unsere Urne Erstheit wurde im Dezember von Sebastian Condrad von Haute Jardin gestaltet.

Trost – geschaffen aus der Wildnis – dem immergrünen Meer aus Texturen, den Aspekten des Dezembers und verspielt berührt von güldenem Adlerfarn und den glasigen Beeren der Misteln – die Welt sich spiegelnd in der satten samtroten Urne.
„Erstheit“ sagt Sebastian, „ist der Name der  Papierurne und der Impuls, eine Gestaltung zu schaffen, die genau das Symbol dieser spürbaren Erstheit schöpft“ — wie selbst gewachsen, mit eigenem Charakter trägt die Stele durch den Abschied.

Zeitlos und anmutig schafft sie Halt. Sie war und wird sein. Trotz des Vergänglichen, gewachsen im Sein.

Gestaltung November – Papierurne Nacht

„Der Rahmen bietet die letzte Möglichkeit, zu begreifen, was man nicht mehr begreifen kann.“ erklärt Tanja Melchert, als sie den Urnenschmuck für den November inszeniert. Es ist die Atmosphäre der Würde, die sie in dem offenen Kirchenraum der Kirche St. Katharinen berührt und sie dazu verleitet, dort die Papierurne Nacht zu gestalten. In einem Metallquader sitzt die Urne, umspielt von den Werkstoffen. Auf den zweiten Blick schmiegt sich ein Kranz aus Sonnenflügeln an sie. Von innen heraus schöpfen sich florale Ebenen aus getrockneten Buchsbaumzweigen, Silberblatt und Königsfarn.

„Die Gestaltung lädt zum Dialog ein – zum Ergründen des fast Unbegreiflichen.“ fährt Tanja fort.

Transformation und das Auflösen des eigenen Raumes werden durch die vielschichtigen Räume in der Gestaltung thematisiert und geben den Trauernden ihren eigenen Raum zum Erleben.
Eine Feder symbolisiert den Übergang – mit der Erlaubnis zu gehen. Geerdet und erhaben.

Gestaltung Oktober – Papierurne Soil

Nach einem Rundgang auf ihrem Feld zog es Heike von „Frau Flörke Blumenmanufaktur“ zu dem alten Birnbaum mit seinen moosbewachsenen, knorrigen Zweigen. Gepaart mit den löchrigen Blättern des Virburnum opulus entstand ein skulpturales Gerüst, aufgebaut auf einem handgewundenen Weidenkranz. Aus getrockneten Wicken, vielen verschiedenen Samenständen sowie Bartnelken und Ballonblumen entstand das gebundene Arrangement, das die Urne mit ihrer herbstlichen Farbe und der leicht glänzenden Oberfläche umspielt.
„Bei der Bestattung dürfen die weißen Dahlien herausgenommen und mit in das Grab gegeben werden – zusammen mit einem der großen Blätter, auf das man eine ganz persönliche Nachricht schreiben kann.“ erklärt Heike zu den hineingehängten Dahlienblüten und der Schale mit vielen Ahornblättern und einem Stift und ergänzt: „Als Abschiedsgruß sozusagen“. Das blühende Gerüst darf nach der Verabschiedung als Gedenken auf dem Grab, mit seinen filigranen Ranken und den bemoosten Zweigen seinen Platz finden.

Gestaltung September – Papierurne Umeshu

Unsere Urne Spätsommer wurde im September von Christin Karmabouquet mit frischem Sanddorn und trockenen Zweigen gestaltet.

Als der Sanddornast vor der Haustür abknickte, bot sich für Christin der perfekte Werkstoff:

„Ich wollte die Urne mit den aktuellen Farben des Herbstes umrahmen“.

Mit den aufgehängten Zweigen schafft Christin einen umhüllenden Kokon, zart von oben bedacht. Durch den gesteckten Kranz aus Hasel und Sanddorn, der eng an der Urne liegt, vervollständigt sich die leuchtende Urneninstallation:

„Wir Menschen entstehen in einer Art Blase und gehen in einer Art Blase von der Welt“, erzählt Christin.
Leuchtende Beerenfarben rahmen die Urne Spätsommer passend ein.

Gestaltung August – Papierurne Abend

„Auf die Strohblume bin ich besonders stolz“ verrät Marion Banfi von Naturnah Blumen und fährt begeistert fort „weil ich sie nach drei Jahren überreden konnte in meinem Garten zu wachsen“.

Abend – einerseits der Urnen-Name – andererseits die Lichtstimmung, von dem sich Marion inspirieren lässt. Sie wollte die Blumen, Melodien, Geschichten um die Urne schweben lassen: „Nach der Betrachtung des Abendrots, entschied ich mich, die Wachsplatte in diesen Farbverläufen zu gießen“.

Diese bildet die Grundlage für die Gestaltung, mit blaugeglühten Steckdrähten lässt Marion die Reagenzgläser schweben. Für die Blumenauswahl kehrt sie zur Stärke zurück, die in der Feinfühligkeit liegt – Weißes Leberkraut, Wiesenknopf, Levkojen und die Strohblumen trösten im schweren Moment des Abschieds. Marion ergänzt: „Ich arbeite gerne mit Kontrast wie hier: leicht und schwer. Wie die Strohblume, robust und zart. Man denkt an den Klang der Blätter, wenn man darüberstreicht.“

Gestaltung Juli – Papierurne Umeshu

„Die Gestaltung sollte natürlich gewachsen aussehen“, sagt Annika von Garten Sieben – ihre Inspiration ist ein Gedanke an den Wald und die eigenen Schattenbeeten, aus denen sie die filigranen Werkstoffe auswählt. Pflanzen die zusammen wachsen, finden sich in der Umspielung der Urne Umeshu wieder.
„Die Wickenranken“ ergänzt Annika „stehen für mich für den Neuanfang, für die Kraft sich, auch mithilfe anderer, dem Licht zuzuwenden“ Umhüllt steht die Urne auf einem Kranz-Kenzan, der, zusammen mit Hasendraht, als Steckhilfe dient.
Mit der alten Kiste, ermöglicht sich Annika, die Installation noch größer zu gestalten und die Blätter, wie sie selbst sagt, „weiter nach unten wachsen können“.
Sich in den Schatten lehnende Akeleien, Japananemonen und Heuchera schmiegen sich zwischen die Farne und kontrastieren die goldene Urne mit dunklen Blättern.

Gestaltung Juni – Papierurne Mittag

„Eigentlich denke ich immer wieder, dass es spannend wäre außerhalb des ‚klassischen Kranzes‘ zu gestalten und merke gleichzeitig, wie kraftvoll das Symbol der Ewigkeit wirklich ist.“ Diesen Satz lässt Sebastian von Haute Jardin für sich wirken. Als Künstler vereint er die Lebendigkeit der Natur mit den Texturen und Formen der Wildnis und gestaltet bewegte, detailverliebte Werke.

Für den Monat Juni gestaltet er die Urne „Mittag“ und bemalt sie mit der Inspiration des Lichtes, das durch die Wiesen filtert und die Bäume und Säume bemalt.

In einer fast schwebenden antiken Metallschale schäumen sich die Blüten, Früchte und Blätter rund um die malerische Urne zu einer lockeren Kranzform. Dunkle Farbtöne und Verläufe greifen die Textur der Schale auf, während die warmen Nuancen der Blüten mit der Malerei spielen. Die zarten Früchte und Samenstände des Junis sind spielerisch eingearbeitet. Ein Kranz aus Hasendraht sitzt, neben den fünf Kenzanen, die mit Wachs befestigt sind, in dem Gefäß.

Das Werkstück steht frei unter alten Maulbeerbäumen zwischen den hohen, tänzelnden Gräsern, die sich sachte mit dem Wind im Takt bewegen. „Trauer braucht ein Gefäß oder einen Raum“ meint Sebastian: „Hier kann sie frei fließen, gehalten von kraftvoller Natur als heilsamer Begleiter.“ Sie ist wie das Werkstück selbst: „Mal greifbar und schwer, mal freudvoll und luftig.“ Nach einer Pause ergänzt er: „Mal beides gleichzeitig, genau das dürfen wir uns erlauben.“

Gestaltung Mai –Sternenkind-Papierurne Boscombe Pier

„Ich hatte wenig Zeit und Raum, um zu trauern“, bemerkt Barbara von Die wilde Wiese.

Als sie von ihren Beweggründen für die wilde Gestaltung und den Anfängen ihres eigenen Unternehmens spricht. Mit „Wilde Wiese“ vereint sie ihre Leidenschaft als gelernte Gärtnerin mit dem Ausdruck besonderer Momente durch ihre Blumen und ihrem Projekt „Sternkinder“ – Blumen als Seelenbalsam.

Zur Gestaltung der Urne Boscombe Pier im Mai erzählt Barbara: „Ich wollte gerne die Blumen verwenden, die ich damals im Krankenhaus mit dabei hatte, vor allem die Gräser, die Skabiosen, die wilde Möhre und die Mondviolen“ — Barbara erzählt von ihrem Erlebnis als Mutter von zwei irdischen Kindern und fünf Sternenkindern. Vor allem der Milchstern (Ornithogallum sp.) war ihr wichtig, denn sie entdeckte ihn zum ersten Mal in ihrem Leben, als sie die Blumen für ihre Tochter pflückte, um sie mit ins Krankenhaus zu nehmen: „Er war an jeder Ecke“.

In der großen Korbschale mit geflochtenem Gras sind einzelne Fläschchen, in denen die wilde Wiese arrangiert ist: „Sie sind dazu gedacht, nach der Zeremonie von den Anteilnehmenden mit nach Hause genommen zu werden, um weiter Teil der Verabschiedung zu bleiben.“

Wer noch mehr über Barbaras Geschichte und ihre „Sternenkinder“ erfahren will, findet sie auf Die wilde Wiese.

Gestaltung April –Papierurne Vehlitz und Mittag

Im April haben wir Caroline Wolf von urwüchsig in Bad Boll besucht und diese sehr besondere Urnengestaltung dokumentiert:

Wie „Erinnerungsstücke“ webt Caroline den Lebenszyklus von Knollengewächsen in die Gestaltung. Das Leben und die Vergänglichkeit vereint. „Dann habe ich bei der Gestaltung gemerkt, dass es als eine Art Schutzhülle wirkt, für das, was im Inneren liegt, aber auch, wie es wieder zu einem Ganzen wird. Zur Natur, eben.“

Mit Vergissmeinnicht, zarten Fritillarien, kleinen Muscari-Knollen und persönlichen Sammelstücken schmückt sie die sanft gewundene Hülle aus Reben. „Ich wollte auch etwas erschaffen, was man wieder verwenden kann“, sagt Caroline und weist auf das Reben-Gestell und den kleinen kompostierbaren Weidenkranz, der ohne Drahtungen gefertigt ist, um ihn mit auf das Grab zu legen.

„Vielleicht dürfen die Knollen sogar mit unter die Erde, sodass sie wieder herauskommen.“ – Als erblühende Erinnerungen und mit liebevollen Details kann die Gestaltung die Angehörigen im gesamten Trauerprozess begleiten, findet Caroline. Genau mit diesen beiden Elementen will sie in ihrer Trauerfloristik weiterarbeiten.

Gestaltung März – Papierurne Morgen

Intuitiv lässt sich Lisa von Liebste Blumen auf ihre floralen Gestaltungen ein. Als sie sich ganz spontan für die Urne „Morgen“ von urnfold entschied, war für sie klar, dass es ein Reisigkranz aus Birken werden soll – „er umspielt, umarmt und beschützt“.

Gerade spitzen Lisas erste Narzissen erst aus der warmen Frühlingserde – die gefüllten weißen Blüten, die sie als ersten Impuls hatte, lassen noch auf sich warten und so entschied sie sich, ihre getrockneten Blüten zu inszenieren.

„Für einen besonderen Anlass kann man natürlich von anderen schon frische Blumen beziehen, aber das ist nicht das, was ich von mir zeigen wollte.“ — Der Kranz steht auf einer geschliffenen Eichenscheibe, die direkt vom Hof stammt. Zu der petrolfarbenen Urne entschied sich Lisa für kräftige Töne: pinker Sonnenflügel (Helipterum craspedioides) spielt mit gelben „Craspedia globosa“ und den feinen Ahren des Zittergras „Briza maxima“. Strohblumen (Xeranthemum annuum) schmücken neben Strandflieder (Limonium so.) und „Helichrysum subifolium“ die Urne.

Um die Angehörigen auch nach der Beisetzung zu begleiten, lässt sich nach der Entnahme der Urne ein Windlicht einstellen. „Ich finde die Vorstellung total tröstlich“, sagt Lisa. „Den Kranz mit nach Hause zu nehmen und das Licht zu entzünden“.